Seit dem Tag, an als Joela mit einem Baby in den Armen gesehen worden war, als man sah, wie sie sich drum kümmerte, hörten die jungen Männer auf, um ihre Hand zu werben. Ob es an Joela selbst lag, an ihrem fehlendem Interesse oder an der knappen Zeit, die sie jedem der Bewerber nur schenken konnte, oder einfach die Gerüchte, die sich um das Geschehen in dem kleinen Weiler verbreiteten, etwas hielt die Männer von ihr fern. So wurden die Interessenten weniger und weniger. Joela selbst störte dies nicht, brachte sie doch ihren Ziegen, Hühnern und dem Kräutergarten hinter dem Haus weit aus mehr Interesse entgegen als einem Freier. Ihr Bruder musste jetzt viele Aufgaben übernehmen und ihr öfter zu Hand zu gehen. Nur selten sah man Joela noch auf dem Markt, und wenn, dann hatte sie immer das Baby um ihren Bauch gebunden

 

Ihre Mutter hingegen schien nachdenklicher und war öfters unterwegs als sonst. Wenn man sie danach fragte, erzählte sie jedem, sie sammele Stoff für ihre Geschichten, es wäre ja jetzt einer mehr zu ernähren. Auch wenn es nicht gelogen war, so hatten ihre Ausflüge noch einen anderen Grund. Sie wollte herausfinden, wer sich hinter dem Mann verbarg, der das Kind in die Obhut ihrer Tochter gegeben hatte, und welche Geschichten oder Gerüchte sich um das fremde unbekannte Kind rankten.

 

Zur Joelas Freude wuchs Roshan schnell und gesund heran. Er war ein fröhliches Kind, das ihr kaum Sorgen bereitete. Seine enormen Intelligenz und eine ungewöhnlich helle Haut hoben ihn von seinen Spielkameraden ab.Trotz dieser Unterschiede wurde er hier akzeptiert und keines der anderen Kinder versuchte, ihn jemals damit auf zuziehen, oder spottete über seine Herkunft.

Auch Joela schwieg darüber, sie wollte dem Kind eine glückliche Zeit schenken. Jedoch die Hoffnung, mehr über ihn zu erfahren, hat sie nie verlassen.

 

Roshan lernte sehr schnell lesen und schreiben, was er Joelas Mutter zu verdanken hatte, welche diese Kunst vom Priester des nahegelegenen Dorfes erlernt hatte. Auch Trinad kümmerte sich um die Ausbildung des Jungen, als er das Alter erreichte, um die Axt zu schwingen und Holz zu hacken oder den Acker zu pflügen. Spielerisch lernte er mit seinem Ziehonkel den Stockkampf und das Bogenschießen. Roshan fühlte die Zuneigung der Familie und bisher dachte er nie darüber nach warum er anders als sie aussah. Auch die Frage nach seinem Vater hat ihn bisher nie beschäftigt. Joela nannte er schon immer „Mutter“ und stellte ihre Position nie in Frage.


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